Downtooooown

May 17, 2008

Ich wohne jetzt Downtown. Im Financial District. Ganz weit im Süden der Insel. Wenn da nicht ein Haus auf der anderen Straßenseite stünde, könnte ich die Freiheitsstatue sehen. Ehrlich gesagt dachte ich gar nicht, dass man in dieser Gegend wohnen kann. Dachte, hier gäbe es nur Büros und noch mal Büros.

Es lebt sich hier jedenfalls gar nicht so schlecht, allerdings komme ich mir manchmal schon etwas fehl am Platze vor. Z.B. als ich mit dem ollen Supershuttle-Bus am ersten Tag hier ankam und mir vor dem Haus ein Portier mit Mütze und weißen Handschuhen die Koffer aus der Hand riss und ein zweiter nachschaute, ob ich ‘auf der Liste’ stehe, sich anschließend mit Handschlag vorstellte und mich nach oben geleitete.
Ist also alles recht nobel hier. Das Haus hat ein Gym, einen Billard-Raum, ein ‘Deck’ mit gepolsterten Liegestühlen, eine ‘Juice-Bar’ (Wasser, Säfte, Kaffee und Tee kostenlos den ganzen Tag über, morgens auch noch Muffins und son Zeug), eine Lounge mit Internet und aktuellen Tageszeitungen, ein Dampfbad, eine Wäscherei, einen ‘Screening Room’ - also ein Minikino, in dem man sich mit seinen Buddies DVDs ansehen kann.
Unglaublich faszinierend finde ich ja auch die Müllschächte, die sich auf jeder Etage befinden. Klappe auf, Müll rein, zuhören, wie der Sack 19 Stockwerke in die Tiefe fällt, sich gruseln, Klappe zu.

Die Wohnung selber ist noch ziemlich Baustelle, aber in meinem Bereich lässt es sich sehr entspannt wohnen.
Baustelle? Ja, Baustelle. Dieses Apartment ist nämlich ein Beispiel für die Geschäftstüchtigkeit der New Yorker. Ursprünglich hatte das Apartment ca. 8 Meter hohe Räume. Ganz schön hoch für einen Wolkenkratzer, wo doch jeder Zentimeter zählt, wird man jetzt denken. Jahaaaa… aber das ist historisch bedingt, wird später noch klarer…

Jedenfalls hat meine Vermieterin (die selbe übrigens, bei der ich letztes Jahr in der Upper West Side mit dem Filipino zusammen gewohnt habe - O-Ton Vermieterin ‘the old Asian guy’) entschieden, einfach ein zusätzliches Stockwerk einzuziehen um so eine optimale Grundflächenausnutzung hinzukriegen. In New York macht man das so.

Da ‘mein’ Zimmer im Obergeschoss noch nicht fertig gestellt ist, werde ich erstmal zwei Wochen unten wohnen. Mit allen Annehmlichkeiten, die ich nach meinem Umzug nach oben nicht nehr haben werde: eigenes Bad, Küche, Wohnlandschaft. Das heißt dann ‘oben’ nämlich Bad zu dritt, Mikrowelle und Kühlschrank im Mini-Zimmer, Lehnstuhl. Aber noch wohne ich luxuriös unten und habe das gesamte Reich für mich. Tagsüber treibt sich oben manchmal ein Handwerker rum (’nenn mich einfach Jim, meinen russischen Namen kannst Du sowieso nicht aussprechen’), aber das juckt mich wenig. Der Lärm von der Straße (jawoll, die Straße lärmt bis in den 19. Stock) ist sehr viel unangenehmer und der geht leider nie weg. Nachts ist etwas weniger los, aber auch noch genug. Das könnte die einzige Sache sein, die mir das Wohnen hier vermiesen könnte. Noch sind meine Nerven vom Giesinger Vogelgezwitscher gepampert, aber ich merke schon, wie es bröckelt, das Nervenkostüm.

Aber zurück zum Apartmenthaus. Man sagte mir, das sei ein sog. ‘Landmark’. Ein Art Deco Bau aus den 30er Jahren, aus derselben Ära also wie das Chrysler und das Empire State Building. (Muss spannend gewesen sein, in dieser Zeit hier zu wohnen). Auf jeden Fall aber ist das Haus sehr geschichtsträchtig. Für Europäer ist das Konzept des College-Footballs ja nicht so ganz zu begreifen, aber hier ist das schon sehr, sehr wichtig. Und in ‘meinem’ Haus wurde von 1935 bis 2002 die Heisman Trophy verliehen, DIE Sportauszeichnung überhaupt (sagt man). Mr. John Heismann, nach dem diese Auszeichnung benannt wurde, war lange Jahre Vorsitzender der Downtown Athletic Clubs, der in meinem Haus beheimatet war. Und hier fanden eben auch die Feierlichkeiten zur Verleihung statt.
Das Gebäude hatte leider 9/11 eine Menge abbekommen (Ground Zero ist so 300 Meter entfernt) und so wurde der Athletic Club geschlossen und das ganze Gebäude grundsaniert. Eine Sanierung der Clubräume hat sich wohl nicht mehr so rentiert und sie wurden in Apartments umgewandelt.
Im 19. Stock war zu Zeiten des Downtown Athletic Clubs der Pool untergebracht. Daher auch die hohen Räume. Mysterium gelöst.

Der Blick aus dem Fenster:


bin wieder da, war irgendwie nie weg

May 13, 2008

Gut angekommen STOP Flug überlebt STOP netten Franzosen kennegelernt STOP die Stadt zeigt sich gleich wieder von ihrer besten Seite STOP

Also ernsthaft. Ich stehe nichtsahnend am Flughafen und warte auf mein f*ing Supershuttle, da quatscht mich ein Franzose an und fragt, ob ich auf dem Weg nach Manhattan sei. Nachdem ich das bejaht hatte, drückte er mir eine Metro-Karte in die Hand, die noch eine Woche gültig ist. Er hätte ja keine Verwendung mehr dafür, er fliege ja jetzt heim nach Paris.

Nach zwei Stunden Höllenfahrt mit dem Supershuttle durch Manhattan sitze ich jetzt endlich in meiner Kemenate im 19. Stock und freue mich wie ein Schnitzel. Sehr schön hier. Trotz Aufzug.

Ich berichte bald mehr, aber leider macht es meine Laptop-Batterie nicht mehr lange. Ich habe zwar amerikanische Adapter dabei, aber da ich Schlaupi die zuhause nicht ausprobiert habe… jedenfalls passense nicht, die Schweinedinger.


Radlers, Spatzle und Skyscraper

April 17, 2008

Momentan bin ich selbst mein bester Entertainer, meine Stimmung ändert sich nämlich stündlich von ’supeeeeeeeer, bald geht es los’ zu ‘was will ich eigentlich in New York?’
Gnagnagna… ich bin wieder mal mittendrin in dieser aufreibenden Zeit, die sich ‘Wohnungssuche in NYC’ nennt. Gottlob gibt es das Internet, aber auch hier ist es schwer.
Merke für die Zukunft: ‘ungerade’ Ankunftstage wie 13. Mai sind Käse, lieber gleich auf den 15. Mai verschieben. Und: Ansprüche zurück schrauben, oder viel, viel Geld ausgeben für das Traumzimmer.

Aber irgendwas ergibt sich schon, irgendwas ergibt sich immer. Heute hat mir eine potentielle Vermieterin auf meinen Hinweis, dass ich baldmöglichst eine Zusagen bräuchte, da ich ja nicht im Central Park schlafen wolle geantwortet: “If you get desperate, I’d hate to see you sleeping in that park, I could put you up here for a night or two, no problem. We’ll drink Radlers and eat Spatzle!” (Ihre Vorliebe für deutsches Essen und meine Bereitschaft, schwäbisch-bayerisch für Sie zu kochen kamen in einer früheren Mail bereits zur Sprache).

Und da ist immer noch dieses Angebot für ein Zimmer in einem Wolkenkratzer downtown. Hmmmmmm…


Heißes München

April 16, 2008

Zwar wurde dieser Artikel über München aus der New York Times schon in mehreren Blogs verwurstet besprochen, aber der Vollständigkeit halber möchte ich ihn hier auch nochmal verlinken.
Warum wollte ich nochmal nach New York?


iPod was?

April 7, 2008

Bei Wortneuschöpfungen sind die Amis ja ganz vorne mit dabei. Der New Yorker Senator Carl Kruger hat nun den Begriff ‘iPod oblivion’ geprägt - der Zustand, in dem sich Fußgänger befinden, wenn Sie sich mehr auf ihren Knopf im Ohr als auf den Straßenverkehr konzentrieren - und vorgeschlagen, das Verwenden von iPods auf den beim Überqueren von Straßen zu verbieten.

I expect a riot…


It’s oh so quiet

February 19, 2008

Auch wenn ich noch nicht wieder rüber bin über den großen Teich, kann ich ja trotzdem meine Erkenntnisse während der Planungsphase mit Euch teilen :-)

Ein Problem, dass einem in New York ja immer wieder begegnet: für eine so große Stadt mit so vielen Menschen gibt es wirklich wenige ‘Stille Örtchen’. Der Mangel macht sich besonders in den Sommermonaten bemerkbar, wenn viele Touristen unterwegs sind. Zu dem Thema hatte ich auch mal eine sehr angeregte Unterhaltung auf der Toilette des Michael Schimmel Center bei einer Filmpremiere, zu der für etwa 800 Zuschauer gerade mal zwei Damentoiletten geöffnet waren. Ja, so schließt man Freundschaften…

Bei meinen Touren durch die Stadt konnte ich mich zwar meistens zu Starbuck’s oder zu McDonald’s retten, aber wie man hier sehen kann, geht es auch ‘classier’. Eine Liste, die ich mir ganz sicher bookmarken werde.

Persönlich hatte ich mein bestes Erlebnis mit öffentlichen Toiletten übrigens in der Trinity Church. Dort wurde für mich extra noch einmal aufgesperrt, weil ich wohl gar so verzweifelt geschaut haben muss. Das nenn ich mal Nächstenliebe!

Dass das Thema ein echter Dauerbrenner ist, sieht man auch daran, dass es erst kürzlich in der Serie CSI:NY aufgegriffen wurde (da entpuppte sich eine öffentliche Toilette allerdings als tödliche Falle *urgs*) und auch an der regelmäßigen Berichterstattung der New York Times:
- The Gift of Potties, the Latest in a Quest for Public Toilets
- A Big Need in the Big Apple: Public Restrooms
- New Yorkers, You May Be Excused: A Pay Toilet Opens
- Less Hype, but at Least These Restrooms Are Free


I’ll be back!

February 13, 2008

CU ab 13. Mai downtown


Warten

July 13, 2007

Unglaublich, wie viele Businesskasper schon um halb 9 morgens am Münchner Flughafen unterwegs sind!
Ich habe heute Maurice zum Flieger nach Frankfurt mit Anschluss nach Singapur mit Anschluss nach Penang (schreibt man das so?) gebracht. Ganz schön wichtig, der Herr Ingenör.

Das heißt für mich natürlich, dass ich schon wieder fast zwei Wochen alleine vor mich hin wursteln muss/darf - genug Zeit also, mich wieder in der Heimat einzugewöhnen.
Aber auch wenn ich jetzt wieder in good old Germany bin, heißt das noch lange nicht, dass bei mir die Langeweile einkehrt. Ich muss jetzt nämlich businesskaspermässig Gas geben, weil New York schon eine verdammt teure Angelegenheit war. Das Jetlag habe ich mittlerweile überwunden… also her mit den Aufträgen!


Leaving New York - never easy…

July 6, 2007

Bored on the 4th of July

July 5, 2007

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, warum ich unbedingt am 4. Juli in New York sein wollte. Feiertag, Menschenmassen, Paraden, Feuerwerk? Alles gar nicht soooo spannend.
Darum haben wir uns auch eine Auszeit gegönnt und haben hauptsächlich Koffer gepackt und gegammelt. So ein etwas langsamerer Tag tut auch mal ganz gut.

Abends konnten wir uns dann doch aufraffen und sind nach Williamsburg rüber gefahren, um uns von dort aus das Feuerwerk anzusehen. Es hatte den ganzen Tag immer wieder geregnet und in dem Moment, als wir an der Bedford Avenue die U-Bahn-Station verließen, fing es wieder richtig an.
Aber der Blick auf das dreifarbig (rot, blau, weiß) angeleuchtete Empire State Building und das Feuerwerk, das jedes Jahr von Macy’s, dem laut Werbung größten Kaufhaus der Welt, gesponsert wird war es wert, sich nasse Füsse zu holen.

Meine Kamera eignet sich ja leider gar nicht für Nachtaufnahmen, aber zumindest ein paar Filmchen vom Feuerwerk sind was geworden.

Wir waren übrigens nicht die einzigen, die auf die glorreiche Idee kamen, das Feuerwerk von der Brooklyn-Seite aus anzusehen:

Zurück in Manhattan machten wir uns dann auf die Suche nach a) einer Toilette und b) einem alkoholischen Getränk. Die Sache mit den Toiletten gestaltet sich ja zunehmend schwierig. In Williamsburg waren wir z.B. noch kurz ein Falafel essen und der Besitzer der Bude hatte in weiser Voraussicht der Menschenmassen kurzerhand ein ‘out of order’-Schild an seinem Örtchen befestigt. Das machen die Budenbesitzer hier übrigens gerne. Wenn niemand die Toilette benutzt, muss man sie auch nicht putzen…
Na, jedenfalls war zurück in Manhattan das Bedürfnis schon recht groß. Mal kurz rein in Wendy’s… Toilette geschlossen (war wahrscheinlich auch schon geputzt und die wollten nicht nochmal aufsperren). Weiter vom Union Square aus Richtung Westen: Bars und Diners geschlossen (Feiertag!). Da erzähl mir nochmal einer was von der ‘Stadt, die niemals schläft’.
Zu guter Letzt strandeten wir dann mal wieder im Puck Fair, unserer fast-schon-Stammkneipe in Nolita. Hier konnte das Verlangen nach den Punkten a) und b) ausreichend gestillt werden.